Datteln 4, die Kohlekommision und die Energiewende

Veröffentlicht von Karsten Wickern am

Dass eine Energiewende weg von fossiler Energie, hin zu erneuerbaren Energien aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Gründen notwendig und sinnvoll ist, ist mittlerweile Konsens. Die Kohlekommission sah vor Datteln 4 nicht ans Netz zu bringen. Eigenartig ist jedoch, wie die Bundesregierung dies ignoriert und zugunsten alter Energieträger handel. Datteln 4 ist kein “Partner der Erneuerbaren”, sondern wird die Energiewende weiter ausbremsen!

Die Kohlekommission hat 2019 nach einem langen Prozess unter Beteiligung vieler betroffener Gruppierungen ihre Empfehlung abgegeben. Ein Minimalkonsens, der kaum das Pariser 1,5 Grad-Ziel einhalten dürfte.
Vom Bau neuer Kohlekraftwerke rät die Kohlekommission ebenso ab, wie von der Inbetriebnahme bereits gebauter, aber noch nicht in Betrieb befindliche Kohlekraftwerke.1)https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/A/abschlussbericht-kommission-wachstum-strukturwandel-und-beschaeftigung.pdf?__blob=publicationFile
Hiermit ist insbesondere Datteln 4 gemeint.

Widersprüche

Annegret Kramp-Karrenbauer und die CDU-Spitze forderten daraufhin, die Empfehlungen der Kohlekommission müssten “ohne Abstriche” umgesetzt werden2)https://background.tagesspiegel.de/energie-klima/cdu-spitze-verlangt-kohlekompromiss-ohne-abstriche, was bedeutet hätte Datteln 4 nicht ans Netz zu nehmen. Im Widerspruch dazu steht jedoch das Kohleausstiegsgesetz, das im Januar von Wirtschaftsminister Altmaier vorgestellt wurde und bereits vom Kabinett beschlossen wurde. Nicht nur sieht es eine lange Laufzeit von Datteln 4 vor, auch gegen andere Inhalte des Kohlekompromisses verstößt das Kohleausstiegsgesetz.

Emissionen

Laut Zulassungsantrag darf Datteln 4 im Volllastbetrieb bis zu 8,4 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen.3)https://www.quarks.de/technik/energie/datteln-4-darum-ist-das-kraftwerk-so-umstritten/ Da für die Inbetriebnahme des hoch ausgelasteten Datteln 4 nur alte, wenig ausgelastete Kraftwerke vom Netz genommen werden, kommt es zu statt zu einer Kompensation zu Mehremissionen. Laut einer Studie des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), erstellt im Auftrag des BUND, würden durch das Kohleausstiegsgesetz 134 Millionen Tonnen CO2 mehr emittiert im Zeitraum von 2020 bis 2040, als der Kohlekompromiss vorsieht. Allein 40 Millionen Tonnen CO2 dieser Mehremissionen kommen von Datteln 4.4)https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.725608.de/diwkompakt_2020-148.pdf (S.5, S.16

Nicht einberechnet sind hierbei die Emissionen von Förderung und Transport des Energieträgers. Schiffe und Bahnen bringen die Kohle über viele Tausend Kilometer aus Asien und Amerika nach Datteln. Hinzu kommt auch der Eigenenergiebedarf der Tagebaue. Bisher existierende Berechnungen lassen diese Emissionen vollkommen außer Acht und gehen davon aus die Kohle würde „per Geisterhand“ im Dattelner Kohlebunker landen.
Bei erneuerbaren Energien fallen diese Überlegungen komplett weg!

Strommarkt

In Europa erzeugter Strom wird auf dem Strommarkt gehandelt. Dort kaufen die Energieversorger den Kraftwerksbetreibern den Strom ab. Das geschieht in direkten Verträgen oder an der Börse. 80% des Stroms aus Datteln 4 wurden bereits an RWE und die Deutsche Bahn verkauft, die restlichen 20% werden an der Strombörse gehandelt. Das Hauptkriterium ist dabei der Preis.

Verdrängung der Erneuerbaren

Obwohl die Einspeisevorrangregelung vorsieht, dass erneuerbare Energien vor allen anderen Energien ins Netz eingespeist werden, konkurrieren sie mit dem Strom aus Datteln 4. Es liegt hier ein Sonderfall vor. Diese gilt nämlich nur für das sogenannte Übertragungsnetz. Sämtlicher Strom für die DB geht hingegen direkt am Kraftwerksstandort Datteln 4 in das Verteilernetz der DB, für das es keine solche Vorrangregelung gibt. Mit anderen Worten: Selbst bei einer Versorgung von 100% Erneuerbaren Energien würde der schmutzige Kohlestrom von Datteln 4 nicht aus dem DB-Netz gedrängt.
Auch der übrige Strom aus Datteln 4 umgeht diese Vorrangregelung. Über eine exklusive Leitung ist Datteln 4 direkt an die Verbrauchszentren im Ruhrgebiet angeschlossen. Das Vorrangprinzip der Erneuerbaren Energien wirkt auch hier nur sehr eingeschränkt.

Quellen   [ + ]

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