Drei abschalten, eines anschalten?

Veröffentlicht von Karsten Wickern am

Ein Hauptargument der Befürworter*innen von Datteln 4 ist, dass es mehrere alte Kraftwerke ersetzen würde. Datteln 4 sei ein Beitrag zum Klimaschutz und würde die CO2-Emissionen senken, heißt es von Politiker*innen. Diese einfache Rechnung geht jedoch so nicht auf! Im Gegenteil würden in der Laufzeit rund 40 Millionen Tonnen CO2 mehr ausgestoßen -die Emissionen des Transports nicht mitgerechnet.

Tatsächlich betreibt Uniper einige Kraftwerke, die bereits seit vielen Jahrzehnten laufen. Die Kraftwerke Scholven B und C, sowie Wilhelmshaven wurden zwischen 1968 und 1976 in Betrieb genommen und sind seither am Netz. Dafür, dass Datteln 4 in Betrieb genommen wird, sollen diese Ende 2022 vom Netz genommen werden. Weniger Emissionen aus alten Kraftwerken für gleich viel Strom -heißt es.

Überkompensation

Jedoch macht es einen bedeutenden Unterschied, ob man in der Anzahl der Kraftwerke rechnet: “drei abschalten, ein neues anschalten” oder in der Kraftwerksleistung, die ja eigentlich zählt. So formuliert würde es lauten “380 MW abschalten, 1055 MW anschalten”
Die Steinkohlekraftwerke von Uniper sind nämlich schon seit Jahren kaum ausgelastet: Von 2.832 MW installierter Leistung in Deutschland waren 2019 nur 592,51 MW benutzt, das sind 20,9%. 2020 waren es (bis Stand Mai) nur 17,02%. Der Abwärtstrend, der auch schon in den Jahren vor 2019 sichtbar ist, dürfte die nächsten Jahre noch weiter gehen.

Die drei bis Ende 2022 abgeschalteten Kraftwerke haben zwar eine große Kapazität von 1477 MW, sind jedoch kaum noch ausgelastet: Scholven B zu 38,2%, bzw. 131,79 MW, Scholven C zu 56,5%, bzw. 194,93 MW und Wilhelmshaven zu 7%, bzw. 52,99 MW. Zusammengerechnet sind das 379,71 MW und damit nur rund ein Drittel der Leistung von Datteln 4 mit 1055 MW.

Uniper geht noch einen Schritt weiter und verkündet stolz die Abschaltung von zwei weiteren Kraftwerken mit noch einmal 1385 MW Kapazität für 2025. Damit hätte Uniper ab 2025 nur noch Datteln 4 als Steinkohlekraftwerk am Netz. Doch auch hier ist es das gleiche Prinzip: Heyden war 2019 bloß zu 8,7%, bzw. 76,13 MW und Staudinger 5 zu 26,8%, bzw. 136,68 MW ausgelastet. Bei bis 2025 gleichbleibender Stromproduktion, von weniger ist auszugehen, wären dann 592,51 MW von Datteln 4 kompensiert.

Zwar werden für Datteln 4 andere Kraftwerke abgeschaltet, jedoch wird Datteln 4 bei weitem mehr Strom und CO2 produzieren, als für die Kompensation nötig! Denn aufgrund der billigen Produktion und der lange laufenden Abnahmeverträge ist davon auszugehen, dass Datteln 4 unter hoher Last laufen wird. Auch wird eine Verdrängung der Erneuerbaren Energien zu hohen CO2-Emisionen führen .

Unipers Steinkohlekraftwerke abschaltbar

Nun könnte man noch einen Schritt weiter gehen und sich die Gaskraftwerke von Uniper anschauen. Uniper betreibt drei Gaskraftwerke mit insgesamt sechs Blöcken. Im vergangenen Jahr waren rund 3300 MW Kapazität installiert, die 2018 zu 1,6%, 2019 zu 1,0% und 2020 (Stand Mai) zu 0,9% ausgelastet waren. Oder anders ausgedrückt: von 365 Tagen liefen sie nur ca. ein verlängertes Wochenende lang auf Vollast.

Es bleiben knapp 3200 MW ungenutzte Kapazitäten in Gaskraftwerken über. Rechnerisch wäre es also möglich, dass Uniper sofort alle seine Steinkohlekraftwerke vom Netz nimmt und diese mit Gaskraftwerken kompensiert. Ebenso könnte auch noch das Braunkohlekraftwerk Schkopau mit durchschnittlich 329,85 MW in 2019 in diese Rechnung aufgenommen werden.


Quelle für sämtliche Rechnungen sind die Angaben von Uniper1)https://www.uniper.energy/de/stromerzeugung/laender/deutschland, der Bundesnetzagentur2)https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/Versorgungssicherheit/Erzeugungskapazitaeten/Kraftwerksliste/kraftwerksliste-node.html und dem Fraunhofer Institut3)https://www.energy-charts.de/percent_full_load_de.htm?source=coal&year=2019. Wenn nicht anders angegeben, wird sich auf die durchschnittlichen Zahlen von 2019 bezogen.
Nicht berücksichtigt wurden hierbei die Standorte der Kraftwerke und ihre ggf. lokale Bedeutung. Dennoch könnte Uniper massivst CO2 einsparen.

Quellen   [ + ]

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